Faszination Mittelalter - Chat mit Bestseller-Autorin Sabine Ebert
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Faszination Mittelalter - Chat mit Bestseller-Autorin Sabine Ebert

Keine Epoche der Geschichte fasziniert die Menschen so wie das Mittelalter. Ob in der Musik, der Literatur, im Film oder in Computerspielen - die Zeit zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert ist noch heute lebendig. Doch warum ist das so? Darüber können Sie mit Bestseller-Autorin Sabine Ebert diskutieren, die dieser Zeit eine fünfteilige Romanreihe gewidmet hat. Deren erstes Buch, "Das Geheimnis der Hebamme", wurde verfilmt und ist am Karfreitag (25.3., 20.15 Uhr) in der ARD zu sehen. Die Geschichte führt den Zuschauer ins 12. Jahrhundert, in die Zeit Kaiser Barbarossas. Handlungsort ist die Markgrafschaft Meißen, dem damals östlichsten Zipfel der Deutschen Kaiserreichs, wo in jener Zeit Silbererz gefunden wird. Vor dem Hintergrund wahrer historischer Ereignisse erzählt "Das Geheimnis der Hebamme" die Geschichte der Heilerin Marthe, die sich einer Gruppe fränkischer Siedler um den Ritter Christian anschließt und mit ihnen nach Osten zieht. Es geht um die klassischen Stoffe wie Liebe, Intrige, Treue und Verrat.Am Donnerstag, den 24. März um 11 Uhr, können Sie hier in unserem Live-Chat Ihre Fragen an die Autorin stellen.

    Begünstigt durch die "mittelalterliche Warmzeit" und den Übergang von der Zwei- zur Dreifelderwirtschaft, wächst im 12. Jahrhundert in Europa die Bevölkerung. Handel und Wirtschaft blühen, viele Städte entstehen. Mit der Gotik setzte sich ein neuer Baustil durch. 


    Die Cover der ersten Drei Bücher von Sabine Eberts "Hebammen"-Reihe. (Foto: Verlag)

    Sabine Ebert, die Autorin von "Das Geheimnis der Hebamme", freut sich auf Ihre Fragen zu dem Roman, der Verfilmung und zum Thema Mittelalter allgemein. (Foto: dpa)

    von Lars Schmidt bearbeitet von Daniel Reviol 3/24/2016 8:59:13 AM
    "Päpst" stellt folgende Frage:

    Ritter, Kreuzzüge und Religionskriege - die Kirche spielte ja keine rühmliche Rolle, aber war einflussreich. Wie kommen die Kirchenleute bei Ihnen weg?

    Da muss man differenzieren. Das ist wichtig. Die Kirche dominierte in allen Lebensbereichen.  Sie hat den Menschen Furcht eingejagt. Sie hat aber auch Trost gespendet.
    von Sabine Ebert bearbeitet von Lars Schmidt 3/24/2016 10:30:23 AM
    "Bienchen" möchte gerne von mir wissen:

    Haben Sie selbst auch Mittelalter-Kleidung oder Schmuck?

    Als ich anfing zu schreiben, nicht.
    Inzwischen habe ich mittelalterliche Kleidung, die eine Freundin genäht hat. Bestickt habe ich die selber. Dazu habe ich Repliken von historischen Schmuck.

    Die Kleider trage ich bei Lesungen oder wenn ich mit Freunden aus dem Reenactment ein historisches Ereignis nachspiele.

    "Daniela" möchte wissen:

    Welche Bücher oder Filme über das Mittelalter können Sie empfehlen?

    Für mich die Highlights: Ridley Scotts „Königreich der Himmel“ und – nicht wundern! - George R.R. Martins „Lied von Eis und Feuer“, verfilmt als „Game of Thrones“. Das ist zwar Fantasy, aber wenn man sich die magischen Elemente wie Drachen oder Weiße Wanderer wegdenkt, ist es dichter dran an der Lebenswelt des europäischen Mittelalters als viele Mittelalterfilme und -romane.
    "Trudchen" schreibt mir:

    Ich bin schon lange Fan historischer Romane. Habe aber immer öfter das Gefühl, in der Buchhandlung vor einem immer leerer werdenden Regal dieses Genres zu stehen. Neben Follet, Gable, Lorentz etc. scheint es nicht mehr viel zu geben. Ist das Zufall, Einbildung oder eine Tendenz weg vom Histo? Wie nehmen Sie als Profi das wahr?

    Ich habe auf der Leipziger Buchmesse letzte Woche mit Iny Lorentz darüber gesprochen. Die Ecken mit den historischen Romanen in den Buchläden sind kleiner geworden, so kommt es uns vor. Nach meinem Erleben ist das Interesse der Leser ungebrochen. Der Buchmarkt hier ist sehr von Krimis und Thrillern bestimmt. Die lese selber auch gerne.

    Eine Nachfrage von "Peter":

    Werden die anderen „Hebammen“-Bücher auch noch verfilmt?

    Das steht im Moment nicht zur Debatte. Sehen wir erst einmal, wie diese Verfilmung beim Publikum ankommt.
    "Das Geheimnis der Hebamme" spielt im 12. Jahrhundert in der Mark Meißen. Das im Buch beschriebene Christiansdorf wird später zur Stadt Freiberg. So sah das Deutsche Reich um das Jahr 1190 aus:




    von Daniel Reviol bearbeitet von Lars Schmidt 3/24/2016 10:38:50 AM
    Und von "Dieter":

    Wie zufrieden sind Sie mit der filmischen Umsetzung Ihres Romans?

    Es ist ein schöner Film mit wunderbaren Bildern, tollen Darstellern und großartiger Ausstattung.

    Doch – wie üblich bei Verfilmungen - wurde sehr viel geändert.
    So ist Marthe im Film eine Wunderheilerin, was eher Fantasy ist, während sie im Buch das Heilen bei einer weisen Frau gelernt. Ganze Handlungsstränge wurden dazu erfunden.

    Meine Intention ist es, historisch möglichst detailgetreu zu sein.
    Die filmische Interpretation nimmt sich hingegen viele Freiheiten, betont Action und Lovestory.

    Das Publikum entscheidet. Am meisten würde mich freuen, wenn viele Leute den Film sehen und dann Lust bekommen, im Buch genauer nachzulesen.
     


    "Silke" möchte wissen:

    Welches ist Ihre Lieblingsszene?

    Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die grandiosen, weiten Landschaftsaufnahmen, wie der Siedlertreck durchs Gebirge zieht oder samt Ochsenkarren einen Fluss durchquert.

    Ich habe den Film aber erst einmal gesehen – alle drei Stunden am Stück - und war dann ziemlich überwältigt.
    Ich muss ihn einfach noch einmal in Ruhe sehen, um mehr dazu zu sagen.
    Eine Frage von "Roland":

    Ist im Film alles authentisch und historisch korrekt?

    Nicht ganz. Im Buch bekommt jemand einen Knüppel über den Kopf und wird für tot gehalten. Marthe sagt, er ist nur bewusstlos und kommt schon wieder auf die Beine. Im Film ist – um des dramatischen Effekts - sein Schädel aufgeschlagen, und Marthe implantiert einen Pfennig in die offene Wunde.

    Doch die Münzen des 12.
    Jahrhunderts waren ganz dünne, schartige, brüchige Hohlpfennige. Ganz gleich, an welcher Stelle man die jemandem eingesetzt hätte, würde ihm das einen qualvollen Tod bescheren. Doch Redaktion und Regisseur wollten diese Szene.

    Großartig ist aber das Szenenbild, die Ausstattung der Räume in der Burg und auch die Katen im Dorf sind mit unglaublich viel Liebe zum Detail gemacht.
    Auch die Bergbaugerätschaften sind wie aus dem Lehrbuch.


    "Leser44" stellt folgende Frage:

    Was halten Sie von Videospielen, die historische Stoffe verwenden und darauf die Action aufbauen?

    Dazu kann ich gar nichts sagen. Denn ich mache keine Videospiele. Dazu habe ich keine Zeit.

    "Umberto" fragt mich:

    Einer der bekanntesten Mittelalterromane ist "Der Name der Rose". Wie finden Sie Buch und Film, Frau Ebert?

    Ich erinnere mich vor allem daran, dass Umberto Eco von der Verfilmung nicht begeistert war. Seit ich historische Romane schreibe, lese ich keine mehr. Ich brauche da einen Kontrast zum Abschalten. Und das geht den anderen Autoren genauso. Keiner liest sein Genre.
    von Sabine Ebert bearbeitet von Lars Schmidt 3/24/2016 10:47:14 AM
    Für alle, die sich für mittelalterliche Klänge interessieren, hat mein Kollege Lars Schmidt einige musikalische Kostproben ausgewählt und empfohlen:

    Walter von der Vogelweide - Palästinalied
    von Graf Johann Nienburg via YouTube

    Qntal - Unter der Linden
    von aenima300 via YouTube

    Corvus Corax - Saltarello
    von shutupman via YouTube

    "Krimhild" würde gerne wissen:

    Würden Sie im Mittelalter leben wollen?

    Bloß nicht! Das kann sich heute keiner wünschen. Aber ich würde gerne mal für eine halbe Stunde hinreisen.

    Die nächste Frage kommt von "Frau A.":

    Wie schwierig ist es über den Alltag des "kleinen" Mannes etwas zu erfahren? Denn die meisten Schriftquellen handeln doch eher von "höher gestellten" Personen.

    Das ist richtig. Aber es gibt Details, von denen man das ableiten kann. Man weiß mehr, als die Leute meinen. Es gibt da gute Fachliteratur. Ich habe mich von Historikern beraten lassen und von ihnen gute Hinweise bekommen.
    "Prof" fragt:

    Was ist ihr Mittelalter-Lieblingsroman und welcher Film zu dieser Epoche gefällt ihnen am besten?

    Film: Ridley Scott “Königreich der Himmel”, Roman: “Das Lied von Eis und Feuer”, das ist die “Game of Thrones”-Vorlage.
    Jetzt ist "Gudrun55" an der Reihe. Folgende Frage:

    Haben wir heute eine richtige Vorstellung von dieser Zeit?

    Das Mittelalter umfasst an die tausend Jahre. Die meisten denken natürlich ans Hochmittelalter. Und an Hexenverbrennungen, die aber in der Neuzeit ihren traurigen Höhepunkt hatten und nicht im Mittelalter.

    Es war bei weitem nicht so schön wie auf Mittelaltermärkten, aber es war auch nicht „das dunkle Mittelalter“, wie später die Neuzeit als Kontrast postulierte.

    Es war grausam, schmutzig, voller Kriege, Hungersnöte, das Leben der einfachen Menschen zählte nichts, sie waren striktem Gehorsam unterworfen und vor allem die Frauen völlig rechtlos.
    Doch es war auch eine Zeit voller Umbrüche, großer Entwicklungen in Architektur, Kunst und anderen Gebieten.

    Wir haben oft gefroren. Aber in den Drehpausen gab es Wärmflaschen. Ich hatte immer gleich zwei.

    Im Vorfeld hatten wir ein Interview mit Shooting-Star Ruby O. Fee geführt, der Hauptdarstellerin von "Das Geheimnis der Hebamme". Die unter anderem aus "Tatort"-Filmen bekannte Schauspielerin sei zwar selbst kein Mittelalter-Fan - an ihrer Rolle fand sie trotzdem Gefallen.

    Lesen Sie hier den kompletten Artikel.
    "Line" möchte gerne wissen:

    Was passierte denn mit den Heilern im Mittelalter? Galten die automatisch als Ketzer? Oder waren die nicht gefragte Helfer?

    Den Begriff Ketzer gab es in der Zeit meiner Romane noch gar nicht. Damals waren die Vorwürfe heidnischer Aberglaube und Schadenszauber. Und die Heilerinnen standen unter Generalverdacht.
    von Sabine Ebert bearbeitet von Lars Schmidt 3/24/2016 10:54:31 AM
    Und nun eine Frage von "Kommissar":

    Wie wäre es mit einem Mittelalter-Krimi?

    Ich habe ja in meinen Romane ein paar unaufgeklärte Todesfälle. Aber mir geht es nicht vordergründig um einen Mordfall oder eine Liebesgeschichte. Ich möchte ein bestimmtes Stück deutscher Geschichte erzählen.
    von Sabine Ebert bearbeitet von Daniel Reviol 3/24/2016 10:55:31 AM
    "Barbarossa" fragt mich:

    Wäre das Mittelalter auch für uns interessant, wenn es keine Ritter und Burgen gegeben hätte?

    Das muss jeder für sich selbst beantworten.
    Jeder interessiert sich aus anderen Gründen für das Mittelalter. Es gibt auch weitere spannende Aspekte neben Burgen und Rittern. Aber die gehören nun mal dazu.
    Die nächste Frage stellt "Hofnarr":

    Gibt es auch lustige Sachen aus dieser Zeit? Wie stand es um den Humor?

    Humor hat es immer gegeben. Trotz aller Härten. Die Menschen haben zu jeder Zeit gelacht, geliebt, gescherzt und Späße getrieben. Das gehört zum Leben.

    Typische Szene auf einem Mittelalter-Markt. (Quelle: dpa)

    Unsere Umfrage zeigt: Das Interesse am Mittelalter ist ungebrochen groß in Deutschland. Über 80 Prozent der Leser im Chat finden diese Zeit offenbar spannend.
    "Berk" fragt mich:

    Wenn es etwas gibt, was Sie am Mittelalter fasziniert: Was ist es?

    Es ist eine Zeit großer Umbrüche. Und das sind immer die spannenden Momente in der Geschichte. Einige Elemente sind bis heute erhalten. Zum Beispiel Redewendungen, wie die Nagelprobe oder in die Schranken weisen, etwas im Schilde führen.
    Und hier noch einige Impressionen aus der Verfilmung von "Das Geheimnis der Hebamme" - der Film läuft morgen um 20.15 Uhr im Ersten: 

    (Quelle: ARD) 

    (Quelle: ARD)  

    (Quelle: ARD)  

    (Quelle: ARD)  

    Ich bedanke mich bei allen, die Interesse an dem Thema gezeigt haben. Ich würde mich freuen, wenn viele den Film anschauen, und wenn es die Leute anregt, in meinen Büchern nachzulesen.
    von Sabine Ebert bearbeitet von Daniel Reviol 3/24/2016 11:17:34 AM
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